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Videogames: Vom Killerspiel zum Kulturgut

In osterreich on April 17, 2007 at 1:11 pm

VIDEOGAMES: VOM KILLERSPIEL ZUM KULTURGUT
US-NATIONALBIBLIOTHEK ERSTELLT LISTE MIT DEN BEDEUTENDSTEN
GAME-KLASSIKERN
Eine der
bedeutendsten Bibliotheken der Welt, die Library of Congress
http://www.loc.gov%5B2%5D , hat Videogames zu einem wertvollen Kulturgut
ernannt. Die Library of Congress stimmte einem Antrag eines Teams um
Kurator Henry Lowood zu, der die Wissenschafts- und
Technologiesammlung der Stanford University betreut, einen
Games-Kanon zu erstellen, berichtet die New York Times. In diesen
Kanon wurden nun die zehn bedeutendsten Videogames aller Zeiten
aufgenommen. „Die Erstellung dieser Liste ist ein Zugeständnis
daran, dass digitale Games kulturelle und historische Bedeutung
haben“, sagte Lowood auf der Games Developers Conference in San
Francisco. Olaf Wolters, Geschäftsführer des Bundesverband
Interaktive Unterhaltungssoftware, wertet den Schritt der Library of
Congress als Meilenstein, sagt er gegenüber pressetext.

Lowood erachtet es für wichtig, Games für die Zukunft zu bewahren
und begann 1998 damit Videogames und Videogame-Artefakte zu sammeln.
Dass Games in Deutschland ein Schmuddel-Image haben und als
Killerspiele Negativschlagzeilen machen, ist laut Wolters ein
deutsches Phänomen. Er sei sich jedoch sicher, dass sich das ändern
wird. „Der Deutsche Kulturrat befasst sich mittlerweile auch mit
Videogames als Kunstform“, betont Wolters. Orhan Kipcak,
Mediendesigner und Professor für Media and Interaction am Grazer
Joanneum http://www.fh-joanneum.ac.at%5B3%5D , erachtet eine akademische
Auseinandersetzung mit dem Medium Games für notwendig. „Games
etablieren neue Kulturtechniken und daher ist es aus
kulturhistorischer Perspektive wichtig sich damit
auseinanderzusetzen“, sagt er im pressetext-Interview. Das
Aufwachsen mit Computerspielen komme einer Sozialisation gleich.
„Das Interface des ersten iPod orientierte sich etwa noch an der
Bedienung eines Kassettenrekorders. Heute – und das ist mit
Videogames ähnlich – ist die Bedienung viel komplexer“, so Kipcak
weiter.

In Deutschland oder Österreich finden Videokunst und bis zu einem
gewissen Grad auch Games Eingang in die Kunsthäuser und Museen,
allerdings nur in den Ausstellungsbetrieb eingebettet. Eine
historisch-analytische Auseinandersetzung ist noch kaum etabliert. In
Deutschland sammelt das Computerspielmuseum Games. Mit über 10.000
Exponaten stellt die Museums-Sammlung wohl einer der größten der
Welt dar. Heidi Kaltig, Kuratorin für Design am Wiener Museum für
Angewandte Kunst (MAK) http://www.mak.at%5B4%5D , kann sich vorstellen,
dass Videogames im Rahmen des Ausstellungsschwerpunkts „Design im
Grenzbereich zu Kunst“ in zukünftigen Ausstellungen eine größere
Rolle spielen werden, wie sie gegenüber pressetext betont. Eine
Sammlung ist für das MAK aber weniger von Interesse.

Die Sammlung und Bewahrung von Videogames gestaltet sich jedoch nicht
so einfach. So würde sich die Hardware, auf der Games gespielt werden
schnell ändern, so dass mittlerweile eine Vielzahl der Games nur
über Emulator-Computerprogramme gespielt werden können, die jedoch
gegen Kopierschutzrechte verstoßen würden. Das Team um Lowood
ernannte folgende Spiele zu den Klassikern aller Zeiten: Spacewar
(1962), Star Raiders (1979), Zork (1980), Tetris (1985), SimCity
(1989), Super Mario Bros. 3 (1990), Civilization I/II (1991), Doom
(1993), die Warcraft Serie (seit 1994) und Sensible World of Soccer
(1994).

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