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Klimawandel lässt nicht alle Gletscher schrumpfen

In osterreich on Mai 8, 2007 at 11:05 am

EXPERTE: GLOBALE ERWäRMUNG DENNOCH BEDROHLICH

Die Folgen des globalen
Klimawandels scheinen nicht überall auf der Welt die gleiche Wirkung
zu entfalten: Stefan Winkler vom Lehrstuhl für Geographie I der
Universität Würzburg http://www.uni-wuerzburg.de hat in den
Southern Alps auf Neuseeland nachweisen können, dass die Gletscher
dort kräftig anwachsen.

„Der Klimawandel ist der gleiche, allerdings wirkt sich die
Veränderung in unterschiedlichen Regionen auch unterschiedlich aus“,
so Winkler. Es sei eben nicht wahr, dass überall auf der Welt die
Temperatur in gleichem Maße steige. „Die Ergebnisse sind also kein
Beleg dafür, dass es keine Klimaerwärmung gibt.“ Im Rahmen eines
von der Deutschen Forschungsgemeinschaft http://www.dfg.de
geförderten Projekts hat sich der Geograph zwei Monate lang in
Neuseeland aufgehalten und dort die Gletscher untersucht. „Die
Gletscher in Neuseeland sind nicht so genau dokumentiert worden, wie
etwa jene in Europa“, erklärt der Forscher. Allerdings haben alle
Untersuchungen, die dort seit den 1980er Jahren durchgeführt wurden,
diese Ergebnisse bestätigt. „Während in den meisten Hochgebirgen, so
auch in den europäischen Alpen, aktuell ein deutlicher
Gletscherschwund herrscht, stellen die Gletscher der südlichen Alpen
Neuseelands eine große Ausnahme dar, denn hier rücken die
Gletscherfronten deutlich vor.“

Winkler konnte beispielsweise feststellen, dass sich die Front des
Franz-Josef-Gletschers innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 84
Meter vorgeschoben hat. Auch der benachbarte Fox-Glacier hat im
gleichen Zeitraum um 89 Meter zugelegt. Bestätigt wurden die
Messungen auch anhand von Aufnahmen aus dem Helikopter. „Ein Grund,
warum die Gletscher hier anwachsen ist, dass sie sehr küstennah
liegen und das Klima durch extrem hohe Niederschläge gekennzeichnet
ist.“ Diese fallen im Sommer häufig als Schnee. Außerdem kam es
hier zu keinem nennenswerten Temperaturanstieg. „Die später zu
Gletschereis umgeformten Schneemengen sind derart groß, dass trotz
vergleichsweise hoher Lufttemperaturen Gletscher existieren und zum
Teil bis auf nur 300 Meter über dem Meeresspiegel hinab fließen
können.“

„Der Niederschlag spielt innerhalb der Massenbilanz dieser Gletscher,
wie an den ebenfalls im Forschungsprojekt untersuchten maritimen
Gletschern in West-Norwegen, eine weit bedeutendere Rolle als zum
Beispiel im Alpenraum“, erklärt der Experte. Auch in West-Norwegen
konnte der Forscher ein Wachstum der Gletscher feststellen, das
allerdings in den vergangenen drei bis vier Jahren deutlich
umgeschlagen hat. „Die Entwicklung der Gletscher auf Neuseeland zeigt
eindrucksvoll, dass es kein globales Verhalten der Gletscher gibt.“ Es
sei sogar das Gegenteil der Fall. Die häufig als Klimaindikatoren
verwendeten Gletscher reagieren anscheinend sehr unterschiedlich
selbst auf identische Klimaveränderungen. „Daher steht dieses
Gletscherwachstum auch nicht in generellem Widerspruch zum aktuellen
Klimawandel, sondern es ist als dessen Folge zu sehen.“

Die meisten Klimaprognosen gehen von einer Niederschlagszunahme in
küstennahen Bereichen aus, wenn die globalen Temperaturen steigen.
Diese wird durch stärkere Verdunstung verursacht. Wenn dieser
Niederschlag in küstennahen Hochgebirgen nun als Schnee fällt, kann
daraus ein Gletscherwachstum resultieren.

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