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Baldrian wirkt als Betäubungsmittel

In Allgemein on Mai 30, 2007 at 2:20 pm

BALDRIAN WIRKT ALS BETäUBUNGSMITTEL
WIENER FORSCHER ENTDECKEN NEUE WIRKUNG IN ALTEM HAUSMITTEL

Wien – Forschern der Universität Wien
http://www.univie.ac.at ist ein bedeutender Schritt zur
Aufklärung des Wirkungsmechanismus von Baldrian gelungen. Demnach
wirkt das alte Hausmittel ähnlich wie ein Anästhetikum. Das
Forscherteam um Steffen Hering, dem Leiter des Departments für
Pharmakologie und Toxikologie an der Universität Wien, berichtet
über die neuesten Erkenntnisse in der Fachzeitschrift
Neuropharmacology http://www.sciencedirect.com .

Ausgangspunkt des wissenschaftlichen Erfolges der Wiener Forscher war
die Erforschung von so genannten GABAA-Rezeptoren, die für die
Hemmung neuronaler Aktivitäten verantwortlich sind und deren
Aktivierung Schlaf fördernd wirkt. Baldrian (Valeriana officinalis)
ist seit hunderten Jahren als Beruhigungsmittel in Verwendung. „Für
die Medizinische Anwendung von Bedeutung ist die Wurzel der Pflanze“,
so Sophia Khom, http://www.univie.ac.at/ptox Leitautorin des
Artikels, im pressetext-Gespräch. Der Wissenschaftlerin fiel auf,
dass Baldrianextrakte eine hohe Aktivität an GABAA-Rezeptoren haben.
„Das ist eine der wichtigsten Rezeptoren in der Medizin“, erklärt die
Wissenschaftlerin. Gemeinsam mit der stellvertretenden Leiterin des
Departments für Pharmakognosie Brigitte Kopp wurde eine Kooperation
eingegangen. Kopp stellte eine Reihe von Reinsubstanzen aus der
Baldrianpflanze zur Verfügung.

Khom wurde schließlich bei der Valerensäure, einem aus
Baldrianextrakten isolierten Wirkstoff, fündig und untersuchte im
Folgenden den molekularen Angriffspunkt der Valerensäure am
GABAA-Rezeptor. „Dabei konnten wir feststellen, dass die
Valerensäure nicht am Rezeptor von Valium angreift, sondern an einem
Punkt, an dem Arzneimittel, die zur Gruppe der Injektionsanästhetika
gehören, wirken“, erklärt die Forscherin. Baldrian beziehungsweise
die Valerensäure könnten in Zukunft einmal als wirksames
Anästhetikum verwendet werden. „Anästhetika mit ähnlicher Wirkung
wie Valerensäure schalten zwar nicht die Empfindungen ab, haben
dafür aber eine stark Schlaf fördernde Wirkung und werden deshalb
in Kombination mit Schmerzmitteln vor Operationen intravenös
verabreicht, um Patienten schnell in einen Tiefschlaf zu versetzen.“

„Wir haben die Wirkung der Valerensäure an verschiedenen Typen von
GABAA-Rezeptoren untersucht und festgestellt, dass sie nur an solchen
Rezeptoren wirkt, an denen auch andere Anästhetika wirksam sind.“ Mit
molekularbiologischen Methoden wurden Veränderungen in der Struktur
der Rezeptoren vorgenommen. So wurden beispielsweise Aminosäuren
ausgetauscht und damit Mutationen gesetzt. „Dabei wurde deutlich,
dass Mutationen an GABAA-Kanälen, die die Wirkung von Anästhetika,
wie etwa Etomidat und Propofol, verhindern, auch die Wirkung der
Valerensäure aufheben“, erklärt die Forscherin.

Seit rund drei Jahren beschäftigt sich Khom mit dem Screening von
heimischen Heilpflanzen. „Für die Wissenschaft sind dabei zwei Dinge
von Bedeutung: einerseits die Frage, ob die Pflanzen tatsächlich
wirken und andererseits die fast noch wichtigere Frage, worüber die
Substanzen wirken“, erklärt die Wissenschaftlerin. Es sei nämlich
von großer Bedeutung, wie eine seit Jahrhunderten bekannte
Heilpflanze zum Präparat verarbeitet werde.

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